
Wenn man die "Adern" Madeiras finden will, muss man hoch hinaus oder tief hinab - wir haben beides gemacht: Die 1. Reise zum Ursprung des Archipels führte uns in die Lavatunnel von São Vicente.

Die unterirdischen Hohlräume entstanden vor 890.000 Jahren in der letzten Phase vulkanischer Aktivität auf Madeira. Gegen Ende des Vulkanausbruchs erkaltete die dünnflüssige Lava an der Oberfläche und härtete als Höhlendecke aus, während darunter noch flüssiges Gestein in Richtung Meer abfloss.

Als der Vulkanausbruch stoppte fehlte es an "Nachschub" und zurück blieben lange, röhrenartige Höhlen. Das Tunnelsystem von São Vicente ist mit 1.000m das größte bekannte Madeiras.

Hoch hinaus - auf ca. 1860m - gings dann auf der 2. Reise hin zu den anderen, noch aktiven "Adern" Madeiras. Und all das mit unserem kleinen 70 PS-Mietwagen.

Ich gebe zu, wir hätten der Empfehlung des Autovermieters in Richtung höherer Motorisierung ruhig folgen können. 40 Minuten im ersten Gang haben mir und dem Auto ziemlich viel abverlangt.

Endlich oben angekommen...

Schnell gings von da aus nach Raba
çal, einem winzigen Ort (mit 2 Häusern) mitten im grünen Herzen der Insel. Raba
çal ist Ausgangspunkt für die kurze Wanderung auf der "Levada do Risco". Die Levadas sind ein Bewässerungssystem, über das das Wasser vom regnerischen Norden zu den Plantagen und Gärten im Süden geführt wird.

Bereits im 15. Jahrhundert entstanden auf Madeira die ersten Levadas. Als die Portugiesen die Insel unter Heinreich dem Seefahrer ab 1420 besiedelten, gab es hier vor allem eines: Wald, deshalb auch "Madeira", was auf Portugiesisch schlicht "Holz" heißt. Doch der fruchtbare Boden bot sich beispielsweise für den Anbau von Zuckerrohr oder Getreide an. So entstanden nach der Brandrodung vieler Flächen Anbaugebiete die mittels Levadas mit Wasser versorgt wurden. Woher die Portugiesen die Kenntnisse dafür hatten ist bis heute umstritten. Einige Vermutungen gehen davon aus, dass die Seefahrer ähnliche Wasserführungen von ihren Reisen nach China kannten.

Die Wanderungen entlang der Levadas sind angenehm, da nicht steil, denn das Wasser sollte immer kontrolliert fließen können. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wuchs das Netz der Levadas auf ca. 2000km an.

Am Ende unseres Spaziergangs wartete dann eine riesige Steilwand auf uns, aber seht selbst. Bis zum nächsten Madeira-Post...
(...nach fast 3 Jahren Portugal, im Regen und ganz überwältigt von der schönen Natur habe ich anscheinend erste Schwierigkeiten mit der deutschen Aussprache ;-))
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